Kaum ein Begriff rund um weibliche Lust wird so oft falsch verwendet wie „weibliche Ejakulation“. In Videos, Foren und älteren Studien steht er für alles, was beim Orgasmus feucht wird. Die Forschung der letzten Jahre hat da aufgeräumt. Dieser Artikel erklärt, was weibliche Ejakulation genau ist, woher die Flüssigkeit kommt, ob sie Urin ist, wie häufig sie vorkommt und was du mit diesem Wissen anfangen kannst.
Was ist weibliche Ejakulation?
Weibliche Ejakulation ist die Abgabe einer kleinen Menge milchig-weißlicher Flüssigkeit aus der Harnröhre bei starker Erregung oder beim Orgasmus. Die Flüssigkeit stammt aus den Skene-Drüsen, zwei kleinen Drüsen rechts und links der Harnröhre, die oft als „weibliche Prostata“ bezeichnet werden. Die Menge ist gering: meist ein paar Tropfen bis etwa ein Teelöffel.
Pastor und Chmel haben 2022 in Clinical Anatomy die vorhandene Forschung zusammengefasst und drei Phänomene klar voneinander getrennt:
- Weibliche Ejakulation: wenig, milchig, aus den Skene-Drüsen.
- Squirting: deutlich mehr, klar und wässrig, überwiegend aus der Blase.
- Koitale Inkontinenz: unwillkürlicher Urinverlust beim Sex, unabhängig von Erregung oder Orgasmus.
Im Alltag werden die ersten beiden ständig in einen Topf geworfen. Was die meisten meinen, wenn sie von „Squirten“ oder „Abspritzen“ sprechen, ist das zweite Phänomen. Was genau dahintersteckt, liest du in Was ist Squirting?
Woher kommt die Flüssigkeit?
Bei der weiblichen Ejakulation ist die Antwort eindeutig: aus den Skene-Drüsen. Ihr Sekret enthält unter anderem PSA (prostataspezifisches Antigen), denselben Marker, den auch die männliche Prostata bildet. Deshalb wirkt die Flüssigkeit leicht trüb oder milchig und fühlt sich etwas dicker an als Wasser.
Beim Squirting sieht es anders aus. Salama und Kollegen untersuchten 2015 Frauen per Ultraschall: Vor der Erregung war die Blase leer, während der Stimulation füllte sie sich, und direkt nach dem Squirten war sie wieder leer. Die aufgefangene Flüssigkeit war stark verdünnt und enthielt bei den meisten Frauen zusätzlich PSA, also Sekret der Skene-Drüsen. Inoue und Kollegen bestätigten 2022 die Herkunft mit einem einfachen Trick: Sie färbten den Blaseninhalt mit einem harmlosen blauen Farbstoff, und die Flüssigkeit, die beim Squirten austrat, war blau.
Kurz gesagt: Ejakulat kommt aus den Drüsen, Squirt kommt überwiegend aus der Blase und nimmt dabei oft etwas Drüsensekret mit. Beides kann gleichzeitig passieren, was die Verwirrung erklärt.
Weibliche Ejakulation oder Urin?
Das eigentliche Ejakulat aus den Skene-Drüsen ist kein Urin. Es hat eine andere Zusammensetzung, eine andere Farbe und kommt aus einem anderen Organ. Die Squirting-Flüssigkeit dagegen stammt aus der Blase und teilt deshalb einige Bestandteile mit Urin, allerdings in viel geringerer Konzentration: Sie ist meist klar, fast geruchlos und mit Drüsensekret vermischt. Die ausführliche Antwort findest du in Ist Squirting Urin?
Für die Praxis heißt das: Wenn du vor dem Sex auf die Toilette gehst, kann das, was danach kommt, kein gewöhnlicher Urin sein. Die Flüssigkeit bildet sich während der Erregung neu.

Wie häufig ist weibliche Ejakulation?
Genaue Zahlen nur für die Ejakulation gibt es kaum, weil die meisten Umfragen Ejakulation und Squirting gemeinsam abfragen. Die beiden größten aktuellen Studien zeichnen trotzdem ein klares Bild. In einer US-Umfrage von Hensel und Kollegen (2024) mit 4.270 Frauen gaben rund 41 % an, schon einmal gesquirtet oder ejakuliert zu haben. In einer schwedischen Studie von Påfs (2024) mit 1.568 Frauen waren es 58 %.
Das heißt: Etwa jede zweite Frau kennt mindestens eines der beiden Phänomene aus eigener Erfahrung. Bei den meisten passiert es nicht jedes Mal, sondern nur unter bestimmten Bedingungen. Mehr dazu in Kann jede Frau squirten?
Wie fühlt sich weibliche Ejakulation an?
Die kleine Menge Drüsensekret bemerken viele Frauen gar nicht als eigenes Ereignis. Sie fällt höchstens danach auf, als etwas mehr Feuchtigkeit oder als leicht milchige Spur auf dem Laken. Squirting dagegen kündigt sich an: Fülle und Druck hinter dem Schambein, dann ein deutliches „Ich muss pinkeln“-Gefühl, dann Wärme und Erleichterung, wenn du loslässt. Wie sich das im Detail anfühlt, beschreiben wir in Wie fühlt sich Squirten an?
Kann man weibliche Ejakulation lernen?
Die Drüsen selbst steuerst du nicht bewusst. Was du beeinflussen kannst, sind die Bedingungen, unter denen Ejakulation und Squirting am ehesten passieren:
- Langer Aufbau. Das Gewebe rund um Harnröhre und Skene-Drüsen schwillt erst mit der Erregung an. Zehn bis zwanzig Minuten vorher sind normal.
- Druck auf die vordere Scheidenwand. Dort liegen Harnröhre, Skene-Drüsen und die inneren Teile der Klitoris dicht beieinander. Wie du diese Zone findest, zeigt G-Punkt finden.
- Klitoris dazu. Die Kombination aus innen und außen wird in Umfragen am häufigsten genannt.
- Loslassen statt anspannen. Beim Drang nicht den Beckenboden zusammenziehen, sondern ausatmen und sanft nach unten pressen.
Die komplette Anleitung Schritt für Schritt steht in Squirten lernen.
Ist weibliche Ejakulation gesund und normal?
Ja. Weibliche Ejakulation ist eine normale körperliche Reaktion auf starke Erregung, kein Symptom und keine Störung. Die Flüssigkeit ist auf Haut und Schleimhaut harmlos. Es gibt auch keinen Hinweis darauf, dass Frauen, die ejakulieren oder squirten, „mehr“ oder „besser“ empfinden als Frauen, bei denen das nicht passiert. Beides ist normal.
Wie reagieren Partner?
Die Angst vor der Reaktion des Partners ist einer der häufigsten Gründe, warum Frauen zurückhalten. Die Daten sprechen dagegen: In der schwedischen Studie von Påfs reagierten 86 % der Partner positiv. Frauen, deren Partner negativ reagiert hatten, hielten sich danach deutlich häufiger zurück. Wenn du also vorher darüber sprichst und ein Handtuch bereitlegst, hast du das größte Hindernis schon aus dem Weg geräumt. Für Partner haben wir eine eigene Anleitung: Frau zum Squirten bringen.
Häufige Mythen über weibliche Ejakulation
- „Das ist nur Urin.“ Nein. Das Ejakulat kommt aus den Skene-Drüsen; Squirt kommt aus der Blase, ist aber stark verdünnt und mit Drüsensekret vermischt.
- „Jede Frau kann das, wenn sie es richtig macht.“ Nein. Studien zufolge haben es 41 bis 58 % mindestens einmal erlebt. Nicht zu ejakulieren sagt nichts über dich oder den Sex aus.
- „Es kommt immer literweise.“ Weibliche Ejakulation sind ein paar Tropfen bis ein Teelöffel. Die großen Mengen aus Videos sind Squirting, und oft inszeniert.
- „Es ist ein Zeichen für einen besseren Orgasmus.“ Nein. Ejakulation und Squirting können mit oder ohne Orgasmus passieren, und die Intensität des Orgasmus hängt nicht davon ab.
- „Man braucht dafür einen Partner.“ Nein. Viele Frauen erleben es zum ersten Mal allein, ohne Zuschauer und ohne Druck.
Quellen: Salama et al., Journal of Sexual Medicine (2015); Inoue et al. (2022); Pastor & Chmel, Clinical Anatomy (2022); Hensel et al. (2024); Påfs et al., Sexual Medicine (2024).
Häufige Fragen
Was ist weibliche Ejakulation?
Die Abgabe einer kleinen Menge milchiger Flüssigkeit aus den Skene-Drüsen bei starker Erregung oder beim Orgasmus. Sie tritt über die Harnröhre aus.
Ist weibliche Ejakulation dasselbe wie Squirting?
Nein. Ejakulat ist wenig und milchig und kommt aus den Skene-Drüsen; Squirt ist deutlich mehr, klar und wässrig und kommt überwiegend aus der Blase. Beides kann gleichzeitig passieren.
Ist weibliche Ejakulation Urin?
Nein. Das Ejakulat stammt aus den Skene-Drüsen und enthält PSA. Die Squirting-Flüssigkeit kommt aus der Blase, ist aber stark verdünnt und mit Drüsensekret vermischt.
Woher kommt die Flüssigkeit bei der weiblichen Ejakulation?
Aus den Skene-Drüsen, zwei kleinen Drüsen neben der Harnröhre, die auch „weibliche Prostata“ genannt werden.
Wie viel Flüssigkeit ist normal?
Bei der Ejakulation ein paar Tropfen bis etwa ein Teelöffel. Beim Squirting kann es deutlich mehr sein, von einem Schwall bis zu mehreren Wellen.
Wie oft kommt weibliche Ejakulation vor?
In großen Umfragen gaben 41 % (USA, 4.270 Frauen) und 58 % (Schweden, 1.568 Frauen) an, schon einmal ejakuliert oder gesquirtet zu haben.
Kann jede Frau ejakulieren?
Nicht jede, und das ist normal. Etwa jede zweite Frau kennt es aus eigener Erfahrung; bei den anderen sagt das nichts über ihre Lust oder ihren Sex aus.
Kann man weibliche Ejakulation lernen?
Die Drüsen steuerst du nicht bewusst, aber die Bedingungen schon: langer Aufbau, Druck auf die vordere Scheidenwand, Klitoris dazu und Loslassen statt Anspannen.
Ist weibliche Ejakulation gesund?
Ja. Sie ist eine normale Reaktion auf Erregung, und die Flüssigkeit ist harmlos. Urinverlust außerhalb von Erregung ist etwas anderes und gehört zur Ärztin.
Wie fühlt sich weibliche Ejakulation an?
Die kleine Menge Ejakulat bemerken viele kaum. Squirting kündigt sich mit Fülle, Druck und einem Harndrang an, gefolgt von Wärme und Erleichterung.


